Emder Unverpackt Laden soll erst im März öffnen

Emder Unverpackt Laden soll erst im März öffnen

Emder Unverpackt Laden soll erst im März öffnen
Nachhaltigkeit: Betreiber von „Jute Seele" müssen viele Hindernisse aus dem Weg räumen- Ähnliche Geschäfte laufen gut

Der Holzboden ist schon verlegt, die in Emden getischlerten Regale und die Theke stehen schon – noch kann der erste Unverpackt-Laden der Stadt aber nicht öffnen. Den zukünftigen Betreibern der „Juten Seele“ - der Inklusionsbetrieb Agilio und der Verein „Das Boot“, der sich für psychisch Erkrankte einsetzt – ist so mancher Stein in den Weg gelegt worden. Jetzt ist Anfang März die Eröffnung angedacht, sagt Agilio-Sprecherin Maike Klingenberg.
Agilio und „Das Boot“ wollten schon im Oktober das Geschäft in der Brückstraße öffnen und dort größtenteils lose Lebensmittel anbieten. Doch das dafür angemietete Ladenlokal in der Brückstraße war bei Einzug viel sanierungsbedürftiger als gedacht. Es habe wohl einige Abstimmungsprobleme gegeben, sagt Klingenberg. Die Instandsetzung durch den Vermieter habe angedauert, so dass erst im Januar mit den Malarbeiten und der Gestaltung der Innenräume begonnen werden konnte. Das sei aber nicht das einzige Problem. „Es kommt einiges zusammen“, so Klingenberg. Unter anderem waren die Lebensmittelspender aus Glas, sogenannte „Bins“, bei einer ersten Lieferung vollständig zerstört worden, sagt Neele Nessen, Projektmanagerin bei Agilio. Auch bei einer zweiten Lieferung sei wieder einiges zu Bruch gegangen. Die dritte sollte zufriedenstellen.
Doch es gebe auch einige Lieferengpässe, die den Lebensmittel-Lieferanten, so Klingenberg. „Die Nachfrage nach Lebensmitteln in Bio-Qualität ist stark gestiegen, weiß Sie. Auch die Gründerzahl von Unverpackt-Läden sei in der Corona-Pandemie noch einmal nach oben geschossen. Ob Zufall oder nicht: Tatsächlich hatte in Ostfriesland in Juni der Erste Unverpackt-Laden in Esens geöffnet. Im Oktober folgte ein zweiter in Leer. Dort scheint es sehr gut zu laufen. „Es hat unsere Erwartungen übertroffen, sagt Martin Warning, einer der Betreiber von „Loses Gut“ in der Leeraner Altstadt. „Es gibt sehr viele Neugierige, trotz der ersten kurzen Zeit haben wir schon Stammkunden. „ Er erklärt sich den Erfolg damit, dass Menschen während der Pandemie mehr Zeit hätten, um über ihr Konsumverhalten nachzudenken und auch Lieferketten in Frage zu stellen. Einige würden große Supermärkte aus Sorge vor einer Ansteckung auch scheuen und lieber in einem kleineren Geschäft mit weniger Besuchern einkaufen. Die wachsenden Mitgliederzahlen beim Verband der Unverpackt-Läden in Deutschland bestätigen Warnings Eindruck.


In Emden blicken die Betreiber trotz der Rückschläge auch hoffnungsvoll in die Zukunft. Seit dem 1. Januar sei schon der erste Mitarbeiter, der später den Laden mit leiten werde, im Team. Am 1. März soll eine Kollegin folgen. Auch ein geringfügig Beschäftigter, ein junger Mann aus der Fridays-for-Future Szene, werde dazu kommen, sagt Rainer Hempel von „Das Boot“. Jetzt würden nur noch Mitarbeitende mit einem Schwerbehindertengrad gesucht. Auch Ehrenamtliche könnten sich dort melden und mit anpacken. Später sind Projekte angedacht – etwa mit der Hochschule Emden/Leer. „Es soll ein Ort zum Verweilen werden“, sagt Maike Klingenberg. Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen können. Sollten die Corona-Bedingungen es zulassen, sollen Besucher Lebensmittel vor Ort testen und gemütlich dabei einen Kaffee trinken können. Eine Sitzecke innen sowie Sitzmöglichkeiten draußen sollen dafür eingerichtet werden. Auch mit Hygiene- und Abstandsregeln soll unverpackt eingekauft werden können. Das heißt: Kunden bringen eigene Behälter mit, die an der Kasse gewogen und mit ihrem Gewicht beschriftet werden. Dann können sie ihre Behälter selbst befüllen, deren Inhalt an der Kasse abgewogen und berechnet wird. Von Mona Hanssen

@ Ostfriesen Zeitung vom 02. Februar 2021, Bild: M. Hanssen